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Sebastian Kischel

„Wir haben uns bisher sehr ordentlich verkauft“

Seit mehreren Wochen überzeugt vor allem unser Torhüter Sebastian Kischel mit guten Leistungen und hat einen entscheidenden Anteil daran, dass wir mittlerweile seit neun Pflichtspielen ungeschlagen sind. Nun stellte sich der 26-Jährige für ein längeres Interview zur Verfügung. Er ging u. a. auch auf die kommende Oberliga-Partie gegen Auerbach ein und brachte dabei zum Ausdruck, dass wir am Sonntagnachmittag einen abwehrstarken Gegner erwarten. Anstoß ist um 14 Uhr.

Seit der Heimniederlage zum Saisonauftakt gegen Meuselwitz haben wir kein Spiel mehr verloren und stehen nun mittlerweile auf dem dritten Tabellen­platz, mit zwei Punkten Rückstand zum Spitzenreiter. Hättest du gedacht, dass wir uns dermaßen stark zurückmelden?
Der Blick auf die Tabelle nach dem ersten Spieltag war natürlich erstmal er­nüch­ternd, allein schon wegen der vier Gegentreffer und dem daraus resul­tie­renden schlechten Torverhältnis, was uns leider immer noch nachhängt. Aber wir haben damals gegen den absoluten Favoriten auf die Meisterschaft ver­loren bzw. sind richtig abgewatscht worden. Das war schon bitter. Dennoch – der eine Aus­wärts­punkt, den wir danach in Markranstädt erkämpft haben, war extrem wichtig. Er hat uns regelrecht beflügelt und uns das nötige Selbstvertrauen zurück­gegeben. Und wenn man jetzt auf das Klassement schaut, ist das schon sensationell. Es hätte wohl keiner gedacht, dass wir so schnell wieder ran kommen. Vergessen darf man dabei ebenso nicht, dass wir aufgrund der vielen Verletzungsausfälle fast jede Woche mit einer anderen Startelf aufgelaufen sind und auch deswegen ist dieser aktuelle Tabellenplatz schon eine große Leistung. Bisher haben wir uns meiner Meinung nach ordentlich verkauft, betrachtet man allein die Ergebnisse. Natürlich können wir noch besser Fußball spielen, aber auch daran arbeiten wir hart.

Gegen Wolfen, beim Pokalspiel in Oschersleben und zuletzt in Pößneck warst du der Garant für die jeweiligen 1:0-Siege. Woher kommt deine derzeitige Top-Form?
Erstmal darf man dabei nicht vergessen, dass wir nach den ersten beiden Partien mit sechs Gegentreffern die Schießbude der Liga waren. In den letzt acht Pflicht­spielen haben wir dann nur noch drei Gegentreffer kassiert. Das zeigt eindeutig, dass wir unser Defensivverhalten stark verbessert und uns in diesem Bereich enorm gesteigert haben. Dies schließt natürlich den Keeper mit ein. Ich sehe mich aber als Teil der Mannschaft, allein kannst du keine Spiele gewinnen. Dennoch gibt es einige Punkte, die vielleicht dafür sorgen, dass ich momentan so gut drauf bin. Dazu gehört z. B. das regelmäßige und spezielle Training mit Torwart-Trainer Eike Engel. Das tut mir richtig gut und hilft enorm. Darüber hinaus habe ich auch im mentalen Bereich an mir gearbeitet, schließlich ist Fußball Kopf­sache. Viele Ge­spräche, u. a. mit Eike oder meinem Chef im Berufsleben, Alex Maree, waren dieser Entwicklung bestimmt ebenso sehr förderlich. Zufrieden gebe ich mich dennoch nicht, verbessern kann man sich immer.

Heute empfangen wir Auerbach und können einen ersten Angriff auf die Tabellenspitze wagen. Was erwartest du vom Duell mit den Vogtländern?
Erstmal ist Auerbach für mich eine der sympathischsten Mannschaften der Liga. Hinzu kommt, dass wir von den bisherigen fünf heimischen Duellen vier gewonnen haben und nur einmal unentschieden spielten. Ich hoffe auf jeden Fall, dass uns heute ein weiterer Sieg gelingt. Das wird jedoch ein schweres Stück Arbeit. Auerbach ist ein extrem abwehrstarkes Team, da müssen wir viel Geduld auf­bringen. Wenn wir jedoch hinten wenig zulassen und vorne unsere Chancen, wie zuletzt, eiskalt nutzen, kann es was werden, zumal unsere Offensivreihe mit Gerlach, Binsker, Sommermeyer und Eggert, wenn er denn spielen kann, immer für ein Tor gut ist. Hauptaugenmerk werden wir aber darauf legen, dass „hinten die Null steht“, denn die letzten Wochen haben deutlich gezeigt, dass das „das A und O“ ist. Denn eines möchte ich auch mal loswerden. In den letzten Jahren haben wir oft mit dem „Hurrastil“ nach vorne gespielt und tolle Partien, auch für die Zu­schau­er, abgeliefert. Leider hat sich dies nicht immer in den Ergebnissen wider­ge­spie­gelt. Jetzt passen die Resultate, wenngleich wir nicht immer Offensiv­fußball zele­brieren, aber unserem Wettkampf liegt nun mal der Ergebnissport zugrunde und da zählen vor allem Punkte, am liebsten jeweils dreifach ;-)

In den letzten neun Pflichtspielen hast du nur fünf Gegentore kassiert, sechsmal konnten die Gegner gar keinen Treffer erzielen. Wie erklärst du dir diese sensationelle Serie, zumal unsere Abwehrformation aufgrund diverser Ausfälle oft rotieren musste?
Wie eben schon gesagt, unser gesamtes Defensivverhalten hat sich insgesamt stark verbessert und das trotz der ständigen Personalwechsel. Vor allem bei gegnerischen Standards, unsere Schwachstelle der letzten Saison, haben wir uns erstaunlich weiterentwickelt. Wenn ich mich recht erinnere, haben wir von den neun Toren der Gegner nur einen Treffer aus einem Standard kassiert, das ist richtig gut. Hinzu kommt, dass in unserer Defensive so einige erfahrene Leute agieren, wie z. B. Gottwald, Plock, Pölzing oder Kopp. Aber auch die Neuen, wie Heit oder Rode haben sich in diesen Verbund nahtlos eingefügt. Einen Akteur möchte ich jedoch an dieser Stelle besonders heraus heben. Was Mario Hosen­thien in den letzten Wochen geleistet hat, nötigt höchsten Respekt ab. Davon profitiert die ganze Mannschaft, und was viele nicht wissen, „Hose“ beißt trotz einer Verletzung die Zähne zusammen. Er ist momentan in einer bestechenden Form.

Viele Fußballexperten behaupten, Linksaußen und Torhüter seien nicht ganz „normal“. Kannst du das unterschreiben?
Für unseren Linksaußen, Felix Binsker, trifft das auf jeden Fall zu :-). Was meine Person angeht, bestätigt mir mein Trainer Andreas Petersen diese Phrase jede Woche. Für mich ist das aber überhaupt kein Problem. Als Torhüter musst du eine gewisse Extravaganz an den Tag legen und etwas „verrückt“ sein. Demnach haben die so genannten Experten wohl Recht ;-)!

Wirst du deswegen innerhalb der Mannschaft manchmal „Tarzan“ genannt?
Diesen Spitznamen hat mir Herr Petersen letzte Saison mal verpasst, weil ich gelegentlich im Tor etwas laut werde. Ich kann damit umgehen ...

Am nächsten Samstag gastieren wir beim extrem heimstarken Aufsteiger Lok Leipzig, der bisher zu Hause alle Spiele gewinnen konnte. Wie groß ist die Vorfreude auf diese Partie, zu der mehrere tausend Zuschauer erwartet werden?
Ganz klar, das ist das Highlight der Saison. Lok Leipzig ist eine der wenigen Tra­ditionsmannschaften in unserer Staffel. Sie haben den höchsten Zuschauer­schnitt und immer eine geile Stimmung im Stadion. Diesem Auswärtsspiel fiebern wir alle entgegen. Aber erstmal gibt es viel wichtigeres, die heutige Be­geg­nung gegen Auerbach zu gewinnen, das alleine zählt. Sollte uns dies tat­säch­lich gelingen, können wir am kommenden Samstag ganz entspannt nach Leipzig fahren und die dortige Atmosphäre vor einer tollen Kulisse genießen. Diese Partie im Bruno-Plache-Stadion könnte das Topspiel des Tages werden, vielleicht ja sogar das Duell des Ersten gegen den Zweiten, in welcher Reihenfolge auch immer. Außerdem wären wir dann endlich mal wieder im MDR zu sehen bzw. hoffe ich das!

Seit vergangenem August bist du bei einem unserer Sponsoring-Premium-Partner, der Firma Etikon angestellt und arbeitest dort im Vertrieb. Wie lässt sich der Beruf mit dem Fußball vereinbaren?
Mit Alex Maree habe ich einen total fußballverrückten Chef, der sogar bei allen bisherigen Partien dabei war, sei es in Gera oder zuletzt in Pößneck, von den Heimspielen gar nicht zu sprechen. Sein großes Interesse für Fußball macht natürlich vieles einfacher, er lässt uns gewisse Freiheiten, u. a. können wir zweimal die Woche vormittags trainieren. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Dennoch muss ich natürlich auch gute Arbeit im Job abliefern.

Möchtest du sonst noch etwas loswerden?
Ja, definitiv. Ich möchte meiner Freundin Mella besonders danken, die mich in vielen Dingen unterstützt und mir den Rücken frei hält. Auch für mich war die jetzige Situation, mit einem Volltimejob UND Fußball, relativ neu und da bringt sie viel Verständnis auf. Ebenso dankbar bin ich Eike Engel, der nicht nur meine sportliche Leistungen mit vorantreibt, sondern auch an meiner persönlichen Entwicklung großen Anteil hat.

Ich bedanke mich für die interessanten und darüber hinaus auch sehr ausführlichen Antworten und wünsche „Tarzan“ weiterhin alles Gute und noch ganz viele „Zu-Null-Spiele“ :-)

Das Interview führte Helge Osterloh (hos)
 

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